Die FAU Innovation Talks werden von der Technischen Fakultät und ihrem Alumni-Verein ATE veranstaltet. Am 21. Juli 2026 sprach Dr. Eva Russwurm in Vertretung von Prof. Dr. Norman Franchi zum Thema „Resiliente Kommunikationsnetze: KI zur Steigerung der Resilienz von kritischen Infrastrukturen (KRITIS)“.
Im Zentrum des Vortrags stand die These, dass moderne Kommunikationsnetze längst mehr sind als reine Datenverbindungen: Sie bilden das Nervensystem einer digitalisierten Gesellschaft. Bereiche wie Energieversorgung, Gesundheitswesen und vernetzte Mobilität sind auf deren stetige Funktionsfähigkeit angewiesen. Fällt dieses Nervensystem aus, entstehen Informationsverluste, Entscheidungen verzögern sich, Dienste werden beeinträchtigt – und am Ende steht ein Vertrauensverlust bei Nutzerinnen, Nutzern und Stakeholdern.
Aus diesem Grund müssen Kommunikationssysteme resilient gestaltet werden: Sie müssen in der Lage sein, nach inneren wie äußeren Störungen – etwa dem Ausfall von Systemkomponenten, Naturereignissen oder Sabotageakten – ihre Funktionsfähigkeit wiederzuerlangen. Ein zentraler Baustein resilienter Netzarchitekturen ist dabei die Priorisierung: Bereits beim Systementwurf muss zwischen besonders kritischen und weniger kritischen Daten unterschieden werden, damit im Störungsfall die wichtigsten Informationen zuverlässig verfügbar bleiben.
Ausgehend von diesem Grundverständnis wurde das Leitbild eines „Future Network“ vorgestellt. Dessen zentrale Anforderung: Der Ausfall einer einzelnen Komponente darf niemals zum Verlust kritischer Informationen führen. Am Beispiel des Edge Computing in der Medizintechnik veranschaulichte sie, wie sich dieses Prinzip in der Praxis umsetzen lässt – etwa, wenn Vitaldaten von Intensivpatientinnen und -patienten direkt vor Ort analysiert und gespeichert werden, unabhängig von einer bestehenden Verbindung zu Cloud oder Rechenzentrum. So bleiben Analyse, Speicherung und Alarmierung auch bei einem Verbindungsausfall funktionsfähig.
Eine weitere Säule resilienter Systeme ist der gezielte Einsatz künstlicher Intelligenz zur frühzeitigen Erkennung kritischer Situationen. KI-gestützte Verfahren erkennen subtile Trends und Muster in Datenströmen oft früher, als es klassische Schwellenwert-Alarme oder das menschliche Auge vermögen – und verschaffen so wertvolle Zeit zum Handeln.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf dem Prinzip des Self-Healing: der Fähigkeit eines Netzes, Störungen eigenständig zu erkennen und zu beheben. In modernen, softwaredefinierten Netzen laufen auf diesem Prinzip basierende Prozesse vollständig automatisiert und innerhalb kürzester Zeit ab – ein Prinzip, das gerade in sicherheitskritischen Umgebungen wie Kliniken über Funktionsfähigkeit und Ausfallsicherheit entscheidet.
„Die beste Resilienz ist die, die niemand bemerkt. Wenn ein Netz sich selbst repariert, bevor – im medizintechnischen Anwendungsfall – das medizinische Personal überhaupt merkt, dass etwas ausgefallen ist, dann funktioniert das System zukünftig so, wie es soll.“
– Eva Russwurm
Daran gemeinsam mit einem großen Ökosystem zu arbeiten, ist eines der zentralen Themen des Lehrstuhls für Intelligente Technische Elektronik und Systeme (LITES) an der FAU.
1/14
2/14
3/14
4/14
5/14
6/14
7/14
8/14
9/14
10/14
11/14
12/14
13/14
14/14
